Ein Bietproblem (Board 1 vom 8.5.17)

 

Teiler: Nord, Gefahr keiner
A96
AKDB8
A9
AK7
KDB7
974
10752
DB

Nur selten bekommt man als Teiler eine so starke Hand zu sehen, und so hatten alle Spieler Schwierigkeiten, diese Hand zu bieten. Ein Paar versuchte immerhin den Schlemm zu erreichen, stolperte dann aber in der Asfrage und spielte am Ende 5C+2 (falsch aufgeschrieben als 4C+3). Die meisten scheinen aber keinen Schlemmversuch gemacht zu haben. Das ist schon beinahe peinlich…

Hier ein paar Ideen, wie man den Schlemm hätte finden können.
Der Eröffner
Diese Hand ist ein klares Partieforcing: 25 Figurenpukte und 9 Topstiche, wenn kein Gegner 5 Couers hält.
Also eröffnet man das Monster mit 2 Karo. Trotz der phantastischen Coeur-Farbe sollte man aber nicht glauben, einen Coeur Einfärber in der Hand zu haben:
5332 mit Stoppern in allen Farben und zugfähiger 5er-Länge ist in SA und Farbspiel ähnlich gut.

Die Antwort 2 SA
Im Forum-D-plus von 2015 findet man hier ein Waffe, die alle Probleme sofort aus der Welt schafft:
Die Antwort 2SA zeigt 8 Punkte, eine ausgelichene Hand ohne 5er OF und forciert bis 4! SA. Bei dieser Anwort sieht der Eröffner sofort, dass man mit 33F (34FL) in 6 sein muss, und es geht nur noch darum, den Bietraum zu nutzen, um zu prüfen ob man in 6 oder 7, in SA oder Coeur, sein will. (Ein Schnapper in der Südhand ist bei ausgeglichener Verteilung unwahrscheinlich, so dass viel für SA spricht.)
Damit gkönnte die Reizung so aussehen:
2K 2SA
3C 3P (zeigt 5C, 4P)
3SA 4T (Balanced und stärker als 4SA, Assfrage)
4K 6SA (4Asse und Süd bringt 3Pikstiche zu den 9 Stichen Nords mit.)

Die einfache Antwort 2 Karo
Wer das Plus-Gebot nicht im Gepäck hat, wird auf Süd wohl nur 2 Coeur antworten.
Der Eröffner sollte jetzt unbedingt 2 SA (25+ Punkte) bieten. Danach kann der Südspieler immer noch mit 3 Treff nach dem 5er Coeur fragen.
Und mit fünfer Pik kann er ein Transfer-Gebot abgeben. Wer auf dagegen 3C bietet, zwingt seinen Partner praktisch in den 4 Coeur Kontrakt, der nur geht, wenn Süd einen Stich mitbringt.
Wenn Süd mit dem 2SA Gebot von Nords 24/25 Punkten erfährt, dann liegt die Verantwortung für das Untersuchen des Schlemms bei Süd Und mit gemeinsamen 33 Punkten kann man die 6 ansagen

Der Weg in die Wüste: Der Eröffner bietet 3 Coeur in der zweiten Runde
Das wäre nicht mein Gebot, weil man aus dem System ausbricht.
Süd sieht einen 9 Kartenfit in Coeur. Vielleich bringt Süd zwei Pikstiche , wenn Nord Anschluss hat. Mit Nords 10 versprochenen (aber nicht vorhandenen) Stichen wären das 12 Stiche.
Aber kann man so ohne weiteres nach den Assen fragen?

ADBZ82
KDB95
AK

Dieser Zweifärber mit nur zwei Verlierern würde auch mit 2Karo aufgemacht. Die Assfrage wird mit 5 Pik beantwortet und man ist schon zu hoch. Und was macht man, wenn Nord 2/5 Keycards ohne Dame mit 5Coeur zeigt?
RKCB funktioniert nur dann reibungslos, wenn man entweder weiß, dass der Gefragte mindestens 3 Keycards der Punkte wegen haben muss, oder wenn der Fragende selber eine Keycard hat.
Der Wert der Piks gegenüber einer Verteilungshand steht auch nicht fest. Gegenüber einer Verteilungshand wird Süd den Schlemm wohl nur untersuchen, wenn er Asse oder Kürzen hat.
Die Reizung wird sich eventuell so weiter entwickeln:
2K 2C
3C 3P
3SA 4C
oder
4C Pass
Und dann ist es schon passiert.

Soll man im Großschlemm sein?
Eher nicht. Damit der Großschlemm geht, muss man einen Verlierer auf Pik entsorgen können. Das geht oft schief: Wenn Nord statt der Treff 7 eine kleine Karo-Karte mehr hat.
Oder wenn er Karo König statt Treff König hat. Und im Paarturnier eines Clubs werden (wie hier geschehen) einige den Schlemm nicht ausreizen oder in 6SA den Überstich nicht realisieren.
Daher wird 6SA+1 meist keine Katastrophe sein. und selbst 6C= ist oft noch gut. Einen Großschlemm sollte man im Paarturnier eines Clubs nur bieten, wenn man weiß, dass er geht.

Aber vielleicht habt Ihr ja eigene Ideen, was man hätte besser machen können.

Volker

Ein Kommentar

  • Klaus Spiegelberg

    Die Forum-D-Konvention, mit 2SA 8+ Punkte gegenüber einem Partieforcing zu zeigen, hat m. E. den gravierenden Nachteil, dass bei allen SA-Endkontrakten die falsche Hand spielt, denn der Angriff geht direkt durch die Stärke. Bei der vorliegenden Verteilung kommt man schon ganz gut klar, wenn einfach nur Puppet Stayman vereinbart ist, was es dem Eröffner leicht macht, die Hand als ausgeglichen zu verkaufen. Die Reizung würde dabei folgendermaßen verlaufen: 2 Karo – 2 Coeur – 2SA, 24-25 HCP (oder meinetwegen auch 26 FL ;-)). Für Süd stellt sich danach nur noch die Frage, welcher Schlemm angesteuert werden soll. Wegen eines möglichen 4-4(5)-Fits in Pik untersucht man nun, ob ein Großschlemm in dieser Farbe aufzulegen ist. Aktuell antwortet Nord auf das 3 Treff-Fragegebot mit 3 Coeur, was einen 5er Coeur zeigt. Damit steht der Endkontrakt, nämlich 6SA (ja, 6 Coeur werden auch gehen, aber man spielt Paarturnier!) fest, denn man wird mit der Südhand im Coeurkontrakt voraussichtlich keinen Extrastich durch Schnappen erzielen können und für Kleinschlemm in SA ist genug Material in den versammelten Händen vorhanden. Ein Pikfit ist ja nun praktisch ausgeschlossen, denn solch starke Hände sollte man nicht mit 5-4 in OF als ausgeglichen beschreiben. Theoretisch möglich wäre auch ein Großschlemm in Karo. Das zu untersuchen scheitert i. d. R. daran, dass die Partnerschaft nicht die entsprechenden Bietwerkzeuge zur Verfügung hat. Infrage käme noch, die Hand von Anfang an mit 2 Treff – 2 Karo – 3SA (26 – 27 HCP) zu beschreiben, denn das Blatt hat enormes Stichpotential.

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