Eine Hand aus Delhi

In Delhi findet alljährlich im August eins der bestbesetzten Bridgefestivals (HCL Bridge Championship) der Welt statt. Nach Angaben des Veranstalters ist es der Bridge-Event, bei dem weltweit das höchste Preisgeld (insgesamt ca. 270.000 US$) ausschüttet wird. Deshalb sind dort viele Mitspieler als Kanonenfutter gern gesehen. Deshalb haben sich Asok Lean und ich (na gut, Asok vielleicht nicht aus dem Grund ) entschlossen, an der 6-tägigen Veranstaltung in einem Team mit indischen Freunden teilzunehmen.

Insgesamt hat eine 4-stellige Anzahl von Bridgern aus vielen Nationen teilgenommen, wobei die überwiegende Mehrzahl schon aus Indien stammte, aber auch Weltstars aus anderen Ländern mit von der Partie waren. Aus Deutschland waren sonst nur unsere Nationalspieler Sabine Auken und ihr Partner Roy Welland angereist. Die Organisation und die Atmosphäre war durchgehend einfach super. Vor allem an der Verpflegung (tägliches Mittagsmenue, Snacks und Getränke im moderaten Startgeld inbegriffen) war zu erkennen, dass ein zahlungskräftiger Sponsor an Bord war.

Wir hatten an den 6 Tagen viele interessante Begegnungen und mussten eine Menge spektakuläre Hände bewältigen. Eine davon möchte ich kurz vorstellen:

Als Nord (Teiler Ost, Gefahr NS) ahnt man nichts Böses, denn man hält in 4. Position diese Trümmerhand: ♠ 9 4    ♥ B 5 4 2    ♦ 7 2   ♣ B 10 5 4 2 und staunt über eine extrem schnell eskalierende Reizung:

2 ♠ (wk2) – 4 ♣ (Leaping Michaels – Partner verspricht damit 5+ ♣ und 5+ ♥) – 6 ♠. Nach 2 -maligem Pass kontriert Partner das Gebot und man fragt sich, was hier überhaupt vor sich geht. Ist angesichts der Gefahrenlage 6 ♠ ein extrem aggressives Preempt-Gebot oder ist der Schlemm zum Erfüllen angesagt? Man entschließt sich, zu passen und Partner spielt Treffass aus. Der Anblick des Dummies ist ein Schock:

♠ A 6 5 3  ♥ 7  ♦ A K D 10 8 6 4 3  ♣ –

Der Spielverlauf ebenfalls ​​​​​​​: Treff gestochen, klein Karo zum Buben(!) und Pikdame vorgelegt. Partners Trumpf-König kommt runter und als Resultat darf sich der Gegner einen Überstich notieren. Hätte man nach Partners X mit 7 Treff verteidigen sollen? Im Gespräch am Tisch sagt der Westspieler, dass er dann 7 Pik angesagt hätte. Aber dann wäre für Partner das Ausspiel des Coeurasses wohl erste Wahl gewesen und damit der Kontrakt geschlagen worden. Kontriert der Gegner aber, kommt man mit einem Score von -500 davon.

Hier die ganze Verteilung:

Boardnummer: 18  Teiler: Ost; Gefahr: N/S Paarturnier mit IMP-Abrechnung (Butler)

 

  
N
9 4
B 5 4 2
7 2
W B 10 5 4 2 O
A 6 5 3 Q J 10 8 7 2
7 K 9
A K D 10 8 6 4 3 B 5
9 8 7
S
K
 A Q 10 8 6 3
9
A K Q 6 3

Auf jeden Fall war die Teilnahme an diesem Superturnier ein tolles Erlebnis. Sabine und Roy haben mit ihrem internationalen Team im Finale einen hervorragenden 3. Platz belegt und wir sind letzten Endes unserem Einsatzzweck (siehe oben) nicht durchgehend, aber oft gerecht geworden!

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